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DSCHUNGELKIND Sabine Kuegler LIVE im Cineplex

DSCHUNGELKIND Sabine Kuegler LIVE im Cineplex
Sie hat eine ungewöhnliche Lebensgeschichte, wurde in Nepal geboren und verbrachte als Tochter eines Forscherehepaares ihre Kindheit mit ihren Geschwistern im Urwald von Papua-Neuguinea . Ihre Biografie, die 2005 mit dem Titel „Dschungelkind“ erschien, wurde zum Bestseller und läuft derzeit als Film im Kino. Jetzt war die Autorin Sabine Kuegler in Kooperation mit der Buchhandlung Linnemann im Cineplex Kino zu Gast – und ihr Fanclub dürfte seither um einige Paderborner/innen größer geworden sein.

Wer eine reine Lesestunde erwartet hatte, lag jedoch am Donnerstag falsch. Live-Dia-Vortrag nennt Sabine Kuegler ihre Vortragsreise durch die deutschen Kinos. Und live vor Ort ist die Wahl-Münchenerin wahrlich. Kuegler holt den Zuhörer oder Zuhörerin direkt aus ihren Sitzen ab, nimmt sie mit in ihre Kindheit, und wenn die Sabine von ihren alten Freunden erzählt, mit denen sie Wildschweine mit Pfeil und Bogen jagte – meint man die Horde förmlich hören und riechen zu können. Gespannt warten die Besucher auf die nächste Geschichte – wollen hören, wie sich das „arme weiße Kind“ in den Tiefen des Dschungels durchschlug.


DSCHUNGELKIND Sabine Kuegler LIVE im Cineplex
Doch die Erwartungen – ein armes vernachlässigtes Kind kennenzulernen - werden enttäuscht, denn
souverän und gar nicht „wild“ referiert die hübsche Enddreißigerin vor ausverkauftem Haus. Wer Ökoschuhe und handgeklöppelte Kleidung erwartet hat, liegt falsch – denn Kuegler könnte durchaus einem Modejournal entsprungen sein. Äußerlich der westeuropäischen Gesellschaftsform angepasst – prallen ihre zwei Welten nur noch innerlich aufeinander.

„Eigentlich ist die westliche Zivilisation doch der Dschungel“ erklärt Sabine, während sie wie ein unruhiger Tiger bei ihren Erzählungen auf und ab läuft. Begeistert erzählt sie von ihrem Stamm, den Fayos, die ihre Familie und sie damals als eine der ihren aufnahmen. Kompliziert sei ihr Leben dagegen heute im Vergleich zu damals, berichtet Kuegler und kann auch heute noch nicht verstehen, dass Menschen unehrlich zueinander sein können. „Die Lüge“, so Kuegler, habe sie erst lernen müssen – ebenso wie die Tatsache, dass der psychische Kampf oft schlimmere Wunden hinterlässt als eine physische Auseinandersetzung. Menschliche Abgründe, die sie nicht verstehen kann. Nicht verstehen möchte.

Hin,- und Hergerissen ist das einstige Urwaldkind. Noch immer fasziniert von den Tiefen westlicher Gesellschaftsstrukturen, welche das Ich in den Mittelpunkt und die Gruppe ins Abseits stellen, und doch blitzt zwischen den wohl gewählten Sätzen immer wieder die Sehnsucht auf nach einem elementarem, aber klarem Leben am Ende der Welt. Wenn nur der Luxus des „warmen Wassers“ und des „zünftigen Weißbieres“ nicht wäre…
DSCHUNGELKIND Sabine Kuegler LIVE im Cineplex
Heute lebt die sympathische vierfache Mutter in der Nähe von München – in einem kleinen Vorort. Behütet von ihrem eigenen kleinen Stamm – einer Wahl-WG auf dem Lande. Sabine Kuegler engagiert sich für verschiedene Umweltverbände wie beispielsweise „worldvision“. Aber ihr eigentliches Herzensprojekt ist die Nachhaltigkeit innerhalb der Entwicklungshilfe. Ihr geht es weniger um das Geld als um die aufbauende Beständigkeit des Helfens. Die Eigenständigkeit der bedrohten Völker ist ihr wichtig – denn Hilfe bedeutet nicht den heroischen Geldgeber zu spielen. „Natürlich wollen auch Dschungelmenschen ein komfortableres Leben“, scherzt Kuegler mit einem ernsten Unterton. Aber sie wollen auch ein eigenverantwortliches Leben. Und das bedeute, ihnen zu helfen, eigene Wirtschafts,- und Handelsstrukturen aufzubauen – ungeachtet der stammeseigenen Traditionen, mögen sie auch noch so barbarisch erscheinen. Der symbiotische Umgang mit der Natur steht für das Dschungelkind im Vordergrund. Alles sei ein Geben und Nehmen -


Zurückkehren zu den Wurzeln ihrer Kindheit nach Papua Neuguinea kann sie nicht mehr. Politische Aktivisten wie sie werden nicht gerne von der indonesischen Regierung gesehen und dieses hat man ihr deutlich zu verstehen gegeben. Und so steht Kuegler – wie sie es so schön ausdrückt – im doppelten Sinne auf der anderen Seite des Dschungels. „Irgendwann werde ich sicherlich zurückgehen“, schliesst sie ihren Vortrag ab. Nicht um für immer zu bleiben, sondern um das höchste Gut wiederzufinden, dass sie einst von den – ach so – Wilden bekam. Ehrliche Menschlichkeit. Emotionaler Reichtum, der in unserem Dschungel der westlichen Zivilisation der aussterbenden Spezies angehört.

Bis Mitte April tourt Sabine Kuegler durch deutsche Kinos. Weitere Infos: www.sabine-kuegler.de.
Am 19. März wird der Kinofilm „Dschungelkind“ bei „Wetten das?“ vorgestellt.

 

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