Berlin Bahnhof Friedrichstrasse 1990
Juni 1990. Am Bahnhof Friedrichstraße wird die Grenze abgebaut − ein historischer Moment, in dem die Welt aus den Fugen gerät und neu zusammengesetzt wird. Vier Filmemacherinnen aus West- und Ostdeutschland wollen diesen Moment festhalten: den Fluss der Reisenden, die Gedanken und Sorgen der Passant*innen, das ratlose Gesicht eines Zollbeamten. Der Bahnhof verändert sich täglich, Schienen werden umgelegt, die Weichen der Zeit neu gestellt. Die Kuratorin und damalige Aufnahmeleitung Madeleine Bernstorff erinnert sich: »Zeichen und Schilder, Taschen, Füße, Gesichter und Monitorbilder sowie ein nachdenkliches Gespräch über Geld und Waren mit zwei russischen Devisenkleinunternehmern. Wer ist von wo nach wo unterwegs? Und welche neuen Grenzen schließen sich? Das wurde zu den zentralen Fragen des Films.« Die Entscheidung, den Film gleichberechtigt mit vier Regisseurinnen zu produzieren, stieß auf Zurückweisungen beim Kleinen Fernsehspiel. Dank der Redakteurin Annedore von Donop konnte der Film unter der Sparte »Kamerafilm« doch noch in Produktion gehen. Die Bedeutung von Berlin, Bahnhof Friedrichstraße 1990 wird erst heute sichtbar. Seine Form des Direct Cinema funktioniert wie ein audiovisuelles Archiv, das die schwindelerregenden Veränderungsprozesse der Zeit ungeschminkt auf Zelluloid brachte; ein wichtiges Dokument der deutschen (Film-)Geschichte.