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Münster

Deutschland im Jahre Null

  • Italien, 1948
  • 73′
  • FSK 12
  • Drama
  • OT: Germania anno zero
  • Regie: Roberto Rossellini
  • Mit: Edmund Moeschke, Ernst Pittschau, Franz Krüger, Ingetraud Hinze
Di 12.4. in der Linse-Reihe „Drehbuch Geschichte: Was ist schon normal“ im Cinema: Roberto Rossellinis 1947 im zerbombten Berlin gedrehter Spielfilm. [dt. m. engl./ital. Untertiteln]

Ab wann ist eine zerstörte Stadt eine Ruine? Was bleibt im Namen der Erinnerungskultur zurück? Die Frage nach der Wahrhaftigkeit der Geschichte muss bei GERMANIA ANNO ZERO betont werden. Der 1906 geborene Italiener Rossellini lässt die Handlung direkt nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Berlin spielen, doch die Dreharbeiten fanden dort erst 1947 statt. Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt noch immer ein Trümmerfeld, dennoch entsteht eine zeitliche Verschiebung in der Inszenierung der Realität. Wie hätte es auch anders sein können? Die Hauptstadt wurde vor allem durch Luftangriffe zerstört, aufwändige und langwierige Aufräumarbeiten waren die Folge, Obdachlosigkeit und Hunger erschwerten den Wiederaufbau zusätzlich.

Wie oft im italienischen Neorealismus steht ein Kind, Edmund, im Zentrum
des Films. Zahlreiche Aspekte der Handlung spiegeln die soziale
Dimension dieser Zeit: Mehrere Familien wohnen in einem Haus, der Bruder
traut sich wegen seiner militärischen Vergangenheit nicht vor die Tür, Edmund muss arbeiten, seine Schwester prostituiert sich und sein ehemaliger Lehrer manipuliert ihn. Das Medium Film bietet ein neues Verhältnis zur Wirklichkeit an, der Film wird zu einer Art Erinnerung. In Plansequenzen zeigt Rossellini die alltäglichen Spaziergänge des Jungen durch die Trümmerlandschaft, die dank des „Nicht-Dekors“ im Hintergrund spürbar ist; die räumliche Zeit wird neu wahrgenommen. Die Architektur wird durch Rossellinis optische Beschreibungen zur Zeugin eines Dramas, ihre sommerlichen Schatten sorgen für eine surreale Stimmung.

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