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King Lear

  • Großbritannien, 1971
  • 132′
  • Drama
  • OT: King Lear
  • Regie: Peter Brook
  • Mit: Cyril Cusack, Susan Engel, Tom Fleming, Anne-Lise Gabold, Ian Hogg

Anthony Davies hat als wichtigste Neuerung von Peter Brooks Adaption des KING LEAR beschrieben, dass sie von einer langen Tradition filmischer Shakespeare-Umsetzungen abwich: sie rebellierte radikal gegen jede Form von "romanticism". Indem sie das Tragische in das Groteske eines sinnentleerten Universums umdeutete, habe sie wie keine andere Verfilmung eines Shakespeare-Stücks Kritik und Publikum in zwei entgegengesetzte Lager gespalten. Während Kritiker wie Frank Kermode das Werk als überragende Neudeutung priesen, sahen die Kritiker Pauline Kael und andere in ihm eine Verengung, ja Verzerrung dessen, was die Vorlage ausmacht: "Wer möchte statt Shakespeare die trostlose gegenüber liegende Seite des Mondes präsentiert bekommen?" Brooks Weltbild liefere nur noch eine Travestie von Krankheit, Verfall und Barbarei.
Die Inspirationsquellen des Films liegen in den Bildern des ersten "Medienkriegs" in Vietnam, aber auch in dem zur Zeit seiner Entstehung aufkommenden "Theater der Grausamkeit". Am einflußreichsten freilich war die Studie "Shakespeare heute" des Polen Jan Kott, der eine Parallele zur Dramenkonzeption von Bert Brecht herstellte. Der Film übernimmt diese These, wenn er mit allen verfügbaren Mitteln ein Gefühl der "Verfremdung" (und damit auch Entfremdung) herstellt. Auch wenn Brooks KING LEAR jegliche positive Sinnbildung fehlt, so ist doch in ihm eine Verzweiflung spürbar, die auch einen Gegenentwurf voraussetzt. Brook selbst fand sein Opus als "a vast, complex, coherent poem designed to study the power and the emptiness of nothing".

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