On the Border - Europas Grenzen in der Sahara
In einer kleinen Stadt am Rande der Sahara testet die Europäische Union neue Grenz- und Überwachungskonzepte, um große Migrationsbewegungen 1000 km vor dem Mittelmeer zu stoppen. Ein innovatives Entwicklungsprojekt für Afrika oder eine geopolitische Maßnahme, um neue Flüchtlingsbewegungen nach Europa zu verhindern?
Sattrot glüht der historische Stadtkern von Agadez im Sonnenuntergang. Schon jahrhundertelang überdauert seine Lehmarchitektur inmitten eines geopolitischen Brennpunkts, der trotz der Anwesenheit gut finanzierter außerafrikanischer Institutionen nicht zur Ruhe kommen darf. Nicht nur die Nigriner:innen stellen sich also Fragen: Was machen Amerika und Europa hier eigentlich? Seit die EU ihren Fokus zur Migrationsprävention auf das so genannte „Tor in die Wüste“ gelegt hat, verläuft eine virtuelle Grenze durch den Norden Nigers. Mit ihr versiegte die Haupteinnahmequelle der heimischen Tuareg, der Waren- und Personentransport durch die Sahara. Dafür griffen Arbeits – und Perspektivlosigkeit um sich – ein fruchtbarer Boden für Radikalisierung und Kriminalität. In ausbalancierter Montage von privaten Gesprächen, Persönlichem und einer größer gefassten Perspektive auf regional- und weltpolitische Zusammenhänge spüren Gerald Igor Hauzenberger und Gabriela Schild der komplexen Geschichte und Gegenwart Agadez’ nach. Über mehrere Jahre hinweg haben sie zugehört, Fragen gestellt, Vertrauens- und Beziehungsarbeit vor Ort geleistet. So treten Nähe, Staunen und Übersicht in einen nuancierten filmischen Dialog. Entlang der Bruchstellen eines vielleicht historischen westafrikanischen Paradigmenwechsels. Entlang einer Grenze, die keine ist.
