Die Geschichte des Schloßtheaters
„Ein Blick auf die im Schloßtheater angekündigten Filme lässt uns erwarten und glauben, dass dieses verpflichtende Niveau auch in der Programmgestaltung eingehalten wird.“ Diese Zeilen schrieb ein Journalist der Münsterschen Zeitung (MZ) anlässlich der Eröffnung des Schloßtheaters am 31. 12. 1953. Die Hoffnung des Autors sollte nicht enttäuscht werden. Die Erwartungen eines anspruchsvollen Kinopublikums erst recht nicht.
Heute ist das Schloßtheater nicht nur das älteste, sondern auch das für sein Programm am häufigsten ausgezeichnete Kino in der Stadt. Über 100 Mal wurde es vom Bund und vom Land Nordrhein-Westfalen für sein herausragendes Jahres- und Kinderprogramm prämiert.
Schon bevor das Kino am Kanonierplatz im Norden Münsters mit seinem 600 Plätze fassenden Saal und seinem großräumigen Foyer eröffnet wurde, zeigten seine Betreiber Weitblick. In vorführ- und tontechnischer Hinsicht war das neue Lichtspielhaus, seinerzeit das 13. in Münster, vollkommen auf der Höhe der Zeit. Selbst für die Vorführung von Filmen im damals neuen und als „Sensation aus Amerika” (MZ) gefeierten Cinemascope-Format war es bereits ausgerüstet. Der Bibel-Film Das Gewand war denn auch der erste Cinemascope-Film in Münster, den das Schloßtheater zeigen konnte. Zudem war die Vorführung sämtlicher anderer gängiger Filmformate möglich.
Dass zur Eröffnung des Hauses der Film Die Schönen der Nacht von René Clair in der deutschen Fassung und – in Sondervorstellungen – auch in der französischen Fassung mit deutschen Untertiteln gespielt wurde, sollte programmatisch sein für die Zukunft des Kinos. Das Schloßtheater, seit 1953 in der „Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V.“ (seit 2003 in der „Arbeitsgemeinschaft Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater“) und seit 1998 Mitglied von EUROPA CINEMAS, war mit seinem Programm von Anfang an dem europäischen Film als wichtigem und wesentlichem Bestandteil moderner Kultur verpflichtet. Besuche von Regisseuren und Schauspielern, die ihre Filme persönlich vorstellen und sie mit dem Publikum diskutieren, unterstreichen diese Verpflichtung ebenso wie zahlreiche zusätzliche Angebote.
So spielt der "filmclub münster", der älteste aktive Filmclub Deutschlands, noch heute im Schloßtheater seine mit viel Liebe zur Filmkunst zusammengestellten Programme. Im zweijährlichen Wechsel gastieren das von der Filmwerkstatt Münster veranstaltete "Filmfestival Münster" und das "LTTFILMS– Literatur Film Festival Münster". Zudem findet hier seit 1998 jeden Herbst das 1983 gegründete "KinderFilmFest Münster" statt, das mit seinem Wettbewerb weit über die Grenzen von Münster hinaus bekannt und beliebt ist.
Im Jahre 1984 wurde das bisherige Ein-Leinwand-Kino grundlegend umgebaut, um durch zusätzliche zwei Leinwände das typische „Schloß“-Angebot erweitern und das Programm flexibler präsentieren zu können. Von nun an verfügte der große Saal über 238 Sitzplätze, die beiden kleineren Säle Woody und Movie über 102 und 101 Plätze.
Seit 2008 gibt es im Schloßtheater eine Gastronomie, die dem Publikum neben den klassischen Kinosnacks auch mit kleinen Speisen, wie Feinkosttellern oder Flammkuchen, und ausgesuchten Weinen ein besonderes kulinarisches Angebot macht.
Im Jahr 2024, nachdem das Kino am 31. 12. 2023 sein 70-jähriges Bestehen feiern konnte, wurden alle drei Kinosäle, das Foyer und Café und die Kinotheke aufwendig renoviert. Dabei wurde sorgsam darauf geachtet, den besonderen Charakter des Hauses, den das Filmtheater seit seiner Eröffnung präsentierte, nicht zu verändern. Die Foyergestaltung orientierte sich wieder an den Ursprüngen des Traditionshauses, mit einem Farbkonzept aus Grün und Gold. Die Sitzplatzanzahl wurde zugunsten bequemerer Sitze und einen großzügigem Reihenabstand reduziert, auch Leinwände, Wandbespannung und der Boden wurden stilgerecht erneuert.



